Krampus- und Perchtenfiguren mit handgeschnitzten Holzmasken und Hörnern beim Krampuslauf auf dem Münchner Marienplatz

Krampus erklärt: der dunkle Begleiter des Nikolaus in den Alpen

Von Clemens · 29. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Der Krampus ist der gehörnte, in Fell gehüllte Begleiter des heiligen Nikolaus im Alpenraum Österreichs und Bayerns. Er erscheint am Abend des 5. Dezember, der Krampusnacht, am Vorabend des Nikolaustags, um unartige Kinder zu ermahnen, während der Nikolaus den braven Süßigkeiten und Nüsse schenkt. Heute lebt der Brauch in öffentlichen Krampusläufen weiter, die von Ende November bis Anfang Dezember in den ganzen Alpen stattfinden. Der größte davon ist jener in Klagenfurt mit rund 1.000 maskierten Gestalten.

Kaum ein Weihnachtsbrauch überrascht Gäste bei ihrem ersten Besuch in Österreich so sehr wie dieser. An einem kalten Dezemberabend auf einem Marktplatz, der nach Glühwein und gerösteten Maroni duftet, werden die Lichter gedimmt, Kuhglocken beginnen zu scheppern, und ein Zug zotteliger, gehörnter Gestalten mit handgeschnitzten Masken stürmt brüllend aus der Dunkelheit. Hier erfahren Sie, wer der Krampus ist, woher er kommt und wie Sie ihn am besten erleben.

Wer ist der Krampus?

Der Krampus ist das dunkle Gegenstück zum heiligen Nikolaus, in Österreich auch Nikolo genannt. Während der Nikolaus, ein gütiger Bischof mit langem weißem Bart, brave Kinder mit Süßigkeiten, Erdnüssen, Mandarinen und kleinen Geschenken belohnt, ist der Krampus da, um die unartigen zu ermahnen. Die Österreich Werbung beschreibt ihn als halb Dämon, halb Ziegenbock, mit Hörnern, einer geschnitzten Holzmaske und Ketten um Hals, Fußgelenke und Handgelenke. Er trägt eine Rute aus Birkenzweigen oder eine Peitsche und oft eine Kraxe auf dem Rücken, in der er in alten Geschichten unartige Kinder davontrug.

Die Figur sieht nicht überall gleich aus. Im Berchtesgadener Land in Bayern heißen seine Helfer Kramperl, in Teilen Österreichs und Bayerns kannte man ihn als Klaubauf, und in der Steiermark gesellen sich in Stroh gehüllte Gestalten hinzu, die Schab. Die Salzburger Tourismuswerbung führt schon den Namen auf die langen Klauen des Wesens zurück.

Woher stammt der Brauch?

Ehrlich gesagt weiß das niemand genau. Der heilige Nikolaus ist eindeutig christlich und geht auf Bischof Nikolaus von Myra zurück, die Wurzeln des Krampus sind dagegen, wie die Österreich Werbung schreibt, weitgehend rätselhaft. Manche Heimatforscher verweisen auf vorchristliche Winterbräuche: Ein Archivar in Bad Hofgastein zitiert einen dem heiligen Augustinus zugeschriebenen Text aus der Zeit um 400 n. Chr., der junge Leute in Fellen beschreibt, die brüllend durch die Straßen ziehen. Viele Historiker sind vorsichtiger und weisen darauf hin, dass der Krampus selbst erst seit dem 16. Jahrhundert belegt ist und erst im 17. Jahrhundert dem Nikolaus als Helfer zur Seite gestellt wurde, weil das Strafen als eines Heiligen unwürdig galt.

Der Brauch hat auch behördliche Ablehnung überstanden. In den 1930er-Jahren verbot ihn die Regierung Dollfuß, und in den 1950er-Jahren verteilten österreichische Behörden Flugblätter mit der Warnung, der Krampus könne Kinder verängstigen. Krampuskarten werden seit dem 19. Jahrhundert verschickt, oft mit dem Aufdruck "Gruß vom Krampus".

Insidertipp: Halten Sie auf Flohmärkten und in Antiquitätengeschäften in Wien und Salzburg Ausschau nach alten Krampuspostkarten. Sie sind ein wunderschönes Andenken.

Krampus oder Perchten: Was ist der Unterschied?

Besucher verwechseln die beiden oft, doch es sind unterschiedliche Gestalten:

  • Der Krampus gehört zum heiligen Nikolaus und zu den Tagen rund um den 5. und 6. Dezember. Seine Rolle ist eine moralische: Er ermahnt und straft.
  • Perchten gibt es nur im Alpenraum Österreichs und Bayerns, ihr Name geht vermutlich auf die Sagengestalt Perchta zurück. Traditionell zogen sie in den Rauhnächten zwischen Wintersonnenwende und Dreikönigstag am 6. Januar umher. Es gibt die "schönen" Schönperchten, die Glück bringen, und die "schiachen" Schiachperchten mit furchterregenden Masken, und beide tragen Glocken, die den Winter vertreiben sollen.

Der Brauchtumsboom des 20. Jahrhunderts hat die Grenzen verwischt, deshalb sehen Sie heute den ganzen Dezember über Mischformen wie "Krampusperchten" und Perchtenläufe. Die Salzburger Tourismuswerbung zählt allein im Land Salzburg rund 200 örtliche Gruppen, die sogenannten Pässe, und alle ihre Masken sind von Hand geschnitzt.

Die Krampusnacht und die Tage rundherum

Der wichtigste Termin ist der Abend des 5. Dezember. In vielen Dörfern besucht der Nikolaus die Familien noch am 5. oder 6. Dezember zu Hause, begleitet vom Krampus und oft von einem Engel. Im Gasteinertal ziehen Krampusgruppen an beiden Tagen von Haus zu Haus, und man glaubt dort, dass der Krampus das Böse vertreibt, statt es zu verkörpern. Die Gruppen messen sich sogar beim "Rempeln", einem Ringen nur mit den Schultern. Die Masken werden dort aus Zirbenholz geschnitzt, Hörner und Fell stammen von heimischen Ziegen und Widdern.

Diese Hausbesuche sind private Familienanlässe und keine Vorführungen für Gäste. Dasselbe sagt der Tourismusverband Berchtesgaden über seine Buttnmandl, Gestalten in langem gedroschenem Stroh mit Fellmasken und schweren Glocken: Der Brauch ist ein Hausbesuch, keine öffentliche Veranstaltung. Für Reisende sind die öffentlichen Läufe und Umzüge der Weg zum Brauch.

Insidertipp: Bei Krampusläufen geht es durchaus körperlich zu. Die Mitwirkenden geben Zuschauern gerne einen spielerischen Hieb mit der Rute auf die Beine. Stellen Sie sich daher hinter die Absperrungen, lassen Sie kleine Kinder eher weiter hinten stehen und ziehen Sie sich warm an, mit festem Schuhwerk, denn Sie stehen eine Stunde oder länger im Freien.

Wo Sie in Österreich und Bayern einen Krampuslauf erleben

Die folgenden Termine stammen von offiziellen Tourismusverbänden und den Veranstaltern. Viele Termine werden jedes Jahr neu festgelegt, prüfen Sie das endgültige Programm daher kurz vor Ihrer Reise.

VeranstaltungOrtWannWarum hinfahren
KrampuslaufKlagenfurt, KärntenEnde NovemberGilt weithin als der größte Österreichs: rund 1.000 Figuren auf einer 1,5 km langen Strecke, verfolgt von etwa 50.000 Menschen
KrampuslaufSchladming, SteiermarkEnde NovemberBis zu 1.000 Mitwirkende vom Planai-Stadion bis zum Hauptplatz; mit Eintrittskarte
KrampusläufeSalzburger Altstadt, Linzergasse, Christkindlmarkt5. Dezember 2026Klassische Krampusnacht in einer Altstadt, die zum UNESCO-Welterbe zählt
NikolospielBad Mitterndorf, Steiermark5. DezemberEin Nikolaus-Volksschauspiel mit Krampus und Schab-Strohfiguren, seit 2020 im österreichischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes
Niglo-UmzugWindischgarsten, Oberösterreich5. DezemberRund 30 Figuren, ganz auf den Nikolaus ausgerichtet; seit 2011 im nationalen Verzeichnis
Rauriser ToifiRauriser Tal, Salzburg5. bis 7. DezemberStreng traditionelle Masken in Rot, Weiß und Schwarz
NikolausumzugBerchtesgaden, Bayern5. DezemberButtnmandl und Kramperl bei einem öffentlichen Umzug, den es seit 1962 gibt
KrampuslaufMünchner Altstadt13. Dezember 2026, 15 bis 17 UhrRund 25 Gruppen und mehr als 300 Figuren, Ziel ist das Alte Rathaus; Eintritt frei
Traditioneller PerchtenlaufSalzburg21. Dezember 2026Perchten in der längsten Nacht des Jahres

Die berühmteste Perchtenveranstaltung überhaupt, der Gasteiner Perchtenlauf, findet nur alle vier Jahre statt, an einem Tag zwischen Neujahr und Dreikönig. Rund 140 Figuren wirken mit, darunter etwa 30 "Kappenträger" mit mehrere Meter hohem Kopfschmuck, und der Brauch steht seit 2011 im österreichischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes.

Insidertipp: Der Münchner Lauf am 13. Dezember ist ideal, wenn Sie Mitte Dezember reisen: Er beginnt schon am Nachmittag um 15 Uhr und endet am Christkindlmarkt auf dem Marienplatz, der sonntags bis 20 Uhr geöffnet hat.

Wie Familien in den Alpen feiern

Für österreichische Kinder dreht sich der frühe Dezember um den Nikolaus. Am 6. Dezember, dem Nikolaustag, bekommen brave Kinder ihre Süßigkeiten, Nüsse und Mandarinen. Zwei Tage davor, am 4. Dezember, dem Barbaratag, schneiden viele Familien Barbarazweige und stellen sie ins Wasser; blühen sie bis zum Heiligen Abend, so sagt der alte Glaube, wird das kommende Jahr ein glückliches.

Die Saison reicht weit über die Krampusnacht hinaus. Perchtenläufe folgen den ganzen Dezember über, die Rauhnächte, die rauchigen Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönig, bringen ihre eigenen Bräuche mit Räuchern und Orakeln, und am 5. Januar ziehen die Glöckler im Salzkammergut und in Salzburg in Weiß durch die Dunkelheit, mit leuchtenden Kappen aus Holz und Seidenpapier.

Den Krampus stilvoll erleben

Am schönsten ist ein Krampuslauf als ein Abend innerhalb einer längeren Adventreise. Unsere Reise Krampusnächte und Advent in den Alpen verbindet München, Salzburg und Wien in der ersten Klasse der Bahn, mit einer Krampusnacht in einem Alpendorf und einem Einheimischen, der Ihnen die Masken erklärt. Kombinieren Sie sie mit den ältesten Weihnachtsmärkten Europas, einem Glas Glühwein und ein paar ruhigen Tagen in Österreich oder Bayern.

Insidertipp: Buchen Sie Hotels in Salzburg und den Alpentälern für die erste Dezemberwoche früh. Mit der Krampusnacht am 5. und dem österreichischen Feiertag am 8. Dezember ist diese Woche eine besonders beliebte Zeit für Adventreisen.

Avellera ist ein Luxus-Reiseunternehmen mit Sitz in Wien, geführt von den Mitgründern Clemens und Kamilla Sengwein-Réti. Wir gestalten exklusive, maßgeschneiderte Reisen durch Österreich, die Schweiz und Mitteleuropa, und wir wissen, welche Läufe authentisch sind, wo Sie am besten stehen und welches Dorfgasthaus Sie danach reservieren sollten. Planen Sie Ihre Adventreise mit uns.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist die Krampusnacht?

Die Krampusnacht ist der Abend des 5. Dezember, der Vorabend des Nikolaustags am 6. Dezember. Öffentliche Krampusläufe finden allerdings von Ende November bis Mitte Dezember statt, Perchtenläufe sogar bis Anfang Januar.

Ist der Krampus für Kinder unheimlich?

Das soll er auch sein. Der Krampus ist eine mahnende Gestalt, und kleine Kinder fürchten sich oft vor ihm. Viele Orte bieten sanftere Veranstaltungen für Kinder an, etwa Salzburg mit Nikolo und Kinderkrampus am Christkindlmarkt am 6. Dezember 2026.

Welcher ist der größte Krampuslauf Österreichs?

Der Klagenfurter Krampuslauf Ende November gilt weithin als der größte, mit rund 1.000 Figuren und etwa 50.000 Zuschauern. Auch Schladming zieht bis zu 1.000 Mitwirkende an.

Kann ich den Krampus in Wien erleben?

Nikolaus und Krampus gehören auch in Wien zum frühen Dezember, die großen öffentlichen Läufe sind aber im Alpenraum zu Hause. Für einen echten Lauf reisen Sie am besten nach Salzburg, in die Alpentäler, nach Kärnten, in die Steiermark oder nach München.

Foto: Alessandro Caproni, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

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